Was passiert, wenn du deine Steuererkärung zu spät abgibst?
- Angelika Thalhammer

- 7. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Viele Selbstständige schieben ihre Steuererklärung vor sich her. Der Alltag ist stressig, Aufträge haben Vorrang und plötzlich ist die Frist vorbei. Doch was passiert dann eigentlich? Musst du sofort mit einer hohen Strafe rechnen? Die Antwort lautet: Nicht immer – aber zu spät abgeben kann teuer werden.
In diesem Artikel erfährst du, welche Folgen eine verspätete Steuererklärung in Österreich haben kann und wie du unnötige Kosten ganz einfach vermeidest.
📅1. Welche Fristen gelten?
Wenn du deine Steuererklärung selbst machst, gelten grundsätzlich diese Fristen:
30. April des Folgejahres bei Abgabe in Papierform
30. Juni des Folgejahres bei elektronischer Abgabe über FinanzOnline
Wirst du von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater vertreten, gelten in der Regel längere Fristen (Quotenregelung).
👉 Wichtig: Kannst du eine Frist nicht einhalten, solltest du rechtzeitig eine Fristverlängerung beantragen. Das ist wesentlich einfacher, als später Strafen erklären zu müssen.
⚠️2. Was passiert, wenn du deine Steuererklärung zu spät einreichst?
Viele glauben, dass nach einem Tag Verspätung automatisch eine Strafe kommt. So ist es nicht. Das Finanzamt prüft jeden Fall einzeln. Trotzdem kann eine verspätete Abgabe verschiedene Folgen haben.
💶 1. Verspätungszuschlag
Wenn du deine Steuererklärung ohne nachvollziehbaren Grund zu spät einreichst, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen. Dieser kann bis zu 10 % der festgesetzten Steuer betragen. Die Höhe richtet sich unter anderem nach der Dauer der Verspätung, dem Grad des Verschuldens und der Höhe der festgesetzten Abgabe. Verspätungszuschläge unter € 50,00 werden nicht festgesetzt. Ein Einspruch ist möglich, wenn ein glaubhafter Entschuldigungsgrund vorliegt.
🔍Beispiel
Max ist selbstständig und muss für das Jahr 2025 insgesamt 8.000 Euro Einkommensteuer bezahlen. Er hätte seine Steuererklärung spätestens bis 30. Juni 2026 über FinanzOnline einreichen müssen. Tatsächlich gibt er sie jedoch erst Ende August 2026 ab, ohne zuvor eine Fristverlängerung beantragt zu haben.
Das Finanzamt kann deshalb einen Verspätungszuschlag festsetzen. Angenommen, dieser beträgt 4 % der festgesetzten Einkommensteuer:
Einkommensteuer: 8.000 Euro
Verspätungszuschlag (4 %): 320 Euro
Zusätzlich muss Max die festgesetzte Einkommensteuer bis zum im Einkommensteuerbescheid angegebenen Fälligkeitstag bezahlen. Erfolgt auch diese Zahlung verspätet, können zusätzlich Säumniszuschläge anfallen.
💸 2. Säumniszuschläge und Anspruchszinsen
Kommt es zu einer Steuernachzahlung und wird diese nicht rechtzeitig bezahlt, entstehen weitere Kosten wie Säumniszuschläge und Anspruchszinsen.
🔍Beispiel
Max übersieht auch die Zahlungsfrist und überweist den Betrag erst mehrere Wochen später. Dadurch fällt zusätzlich ein Säumniszuschlag an:
Erster Säumniszuschlag (2 % von 8.000 Euro): 160 Euro
Erfolgt die Zahlung weiterhin nicht, können weitere Säumniszuschläge hinzukommen.
Zusätzlich können bei einer Steuernachforderung Anspruchszinsen anfallen. Diese werden für den Zeitraum zwischen dem 1. Oktober des dem Veranlagungsjahr folgenden Jahres und der Erstellung des Einkommensteuerbescheids berechnet. Es ist dabei unerheblich, aus welchem Grund die Abgabenerhebung erst nach dem 1. Oktober des Folgejahres erfolgt.
💡Tipp: Du kannst die Anspruchszinsen vermeiden, indem du bis 30.09 freiwillig eine Zahlung in der Höhe der erwarteten Nachzahlung an das Finanzamt leistest.
Aus einer verspäteten Steuererklärung und einer verspäteten Zahlung können somit schnell mehrere hundert Euro an zusätzlichen Kosten entstehen – obwohl sich diese mit einer rechtzeitigen Abgabe und Zahlung leicht vermeiden ließen.
💡Mein Tipp: Reiche deine Steuererklärung möglichst fristgerecht ein und bezahle die festgesetzte Einkommensteuer rechtzeitig. So vermeidest du unnötige Zuschläge und Zinsen.
📬 3. Erinnerung und Zwangsstrafe
Gibst du deine Steuererklärung überhaupt nicht ab, wird das Finanzamt zuerst eine Erinnerung schicken und dir eine Frist setzen. Reagierst du trotzdem nicht, kann eine Zwangsstrafe verhängt werden. Deine Steuererklärung musst du trotzdem noch abgeben.
📊 4. Das Finanzamt schätzt deinen Gewinn
Liegt keine Steuererklärung vor, darf das Finanzamt deine Einkünfte schätzen.
Das Problem: Eine Schätzung fällt oft nicht zu deinen Gunsten aus.
Das Finanzamt orientiert sich dabei an früheren Jahren oder an vergleichbaren Betrieben.
Dadurch kann eine deutlich höhere Steuer entstehen, als eigentlich gerechtfertigt wäre.
😊3. Wann musst du keine Strafe befürchten?
Nicht jede verspätete Abgabe führt automatisch zu einem Zuschlag. Hast du einen nachvollziehbaren Grund, kann das Finanzamt darauf Rücksicht nehmen.
Soche Gründe können zum Beispiel sein:
längerer Krankenhausaufenthalt
schwere Krankheit
familiäre Notfälle
technische Probleme bei FinanzOnline
Wichtig ist, dass du dich möglichst früh meldest und den Grund glaubhaft erklären kannst.
Einfach gar nichts zu tun, ist fast immer die schlechteste Lösung.
📖4. Ein Beispiel aus der Praxis
Anna ist Grafikerin und arbeitet alleine. Eigentlich wollte sie ihre Steuererklärung Anfang Juni erledigen. Dann kamen mehrere große Kundenprojekte und die Buchhaltung blieb liegen. Im August fällt ihr ein, dass sie die Erklärung noch gar nicht abgegeben hat. Zum Glück reicht sie diese sofort ein.
Je nach Einzelfall kann das Finanzamt nun einen Verspätungszuschlag verhängen. Hätte Anna dagegen monatelang gar nicht reagiert, wären zusätzlich Erinnerungsschreiben, Zwangsstrafe und möglicherweise sogar eine Schätzung ihrer Einkünfte möglich gewesen.
✅5. So vermeidest du Stress mit dem Finanzamt
Mit ein wenig Organisation lässt sich das ganz einfach verhindern.
Hilfreich sind zum Beispiel:
✔️ Belege laufend sammeln
✔️ Die Buchhaltung regelmäßig erledigen
✔️ Fristen im Kalender eintragen
✔️ FinanzOnline regelmäßig kontrollieren
✔️ Bei Problemen rechtzeitig eine Fristverlängerung beantragen
✔️ Unterstützung durch eine Bilanzbuchhalter*in oder Steuerberatung nutzen
🚫6. Die häufigsten Fehler
Diese Fehler sehe ich besonders oft:
❌ Die Buchhaltung erst im Dezember beginnen
❌ Briefe vom Finanzamt ungeöffnet liegen lassen
❌ Steuerzahlungen komplett vergessen
❌ Zu glauben, dass "ein paar Wochen später" schon nichts passieren wird
Je früher du reagierst, desto einfacher lässt sich fast jedes Problem lösen.
🎯7. Mein Tipp
Die Steuererklärung ist keine lästige Pflicht, sondern gibt dir auch einen guten Überblick über dein Unternehmen. Wenn deine Buchhaltung laufend aktuell ist, dauert die Erstellung der Steuererklärung oft nur noch einen Bruchteil der Zeit.
Und das Beste: Du sparst dir unnötige Zuschläge, Mahnungen und schlaflose Nächte.
✅8. Fazit
Eine verspätete Steuererklärung muss nicht sofort teuer werden – sie kann es aber.
Je länger du wartest, desto größer wird das Risiko von Verspätungszuschlägen, Zwangsstrafen, Schätzungen und zusätzlichen Zinsen.
Deshalb gilt:
Lieber rechtzeitig handeln oder frühzeitig Hilfe holen, als später unnötig Geld zu bezahlen.
Eine gut organisierte Buchhaltung ist der einfachste Weg, damit deine Steuererklärung entspannt und pünktlich erledigt werden kann.

